Wildlife-Fotografie

Geduld und Schnelligkeit

Tiere in freier Wildbahn gehören für den Fotografen sicherlich zu den beeindruckendsten Naturmotiven. In den Naturschutzgebieten und Nationalparks im südlichen Afrika gibt es aufgrund des Artenreichtums unendliche Möglichkeiten auf der "Jagd" nach beeindruckenden Bildern.

Wildlife-Fotografie lebt vom richtigen Augenblick. Die Motive tauchen oft unerwartet auf, und manchmal verschwinden sie genauso schnell wieder. Deshalb ist es wichtig, die Kamera ständig schußbereit zu haben. Reaktionsschnelligkeit ist gefragt, wenn die Tiere ihre Körperhaltung oder die Drehung des Kopfes verändern. Für eine gute Aufnahme ist darüber hinaus Geduld erforderlich, wenn es gilt, abzuwarten, bis das Tier den Kopf hebt, und dann abzudrücken, bevor es sich umdreht und verschwindet.

Der Fotograf hat um so mehr Chancen gute Motive zu entdecken und den richtigen Augenblick zu erwischen, je mehr er sich mit dem Verhalten und den typischen Reaktionen der Tiere beschäftigt. Für die meisten Fälle genügt es schon, ein wenig nachzulesen, was es bedeutet, wenn der Löwe die Ohren spitzt, der Elefant die Ohren abspreizt oder welchen Schutzabstand Giraffen dulden. Das Vorhersehen der nächsten Bewegung ist die beste Quelle für außergewöhnliche Aufnahmen. Der Rest- das richtige Gefühl, welches die nächste Reaktion des Tieres sein könnte - stellt sich schon nach ein paar Tagen ein.

Zubehör

Für Großwild- und Vogelaufnahmen ist ein mittleres bis starkes Teleobjektiv sehr zu empfehlen. Auf jeden Fall gut ausgerüstet ist man, wenn man für die Kleinbildkamera ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von 200 oder noch besser 300mm zur Verfügung hat. Für die Fotosafari ist es generell ein Vorteil, mit lichtstarken Objektiven zu arbeiten, weil die Tiere frühmorgens, wenn es gerade hell wird, und am späten nachmittag bei beginnender Dämmerung am aktivsten sind. Tagsüber halten sie sich oft in schattigen und damit dunkleren Ecken unter Bäumen und Büschen auf. Spürt man sie dort auf, ist auch wieder ein lichtstarkes Objektiv von Nutzen.

Eine schöne Ergänzung der Ausrüstung ist sicherlich ein 500mm-Objektiv. Leider steht der Foto-Amateur dabei vor der Wahl zwischen einem sehr lichtschwachen und damit nur begrenzt einsetzbaren und einem lichtstarken, aber leider oft nahezu unbezahlbaren Objektiv. Zur weiteren Ausrüstung sollten neben dem normalen Filmmaterial mit ISO 50 und 100 hinreichend lichtempfindliche Filme nach ISO 200 und 400 gehören, damit Sie kurze Verschlußzeiten für die bewegten Motive nutzen können und mit den Lichtverhältnissen nicht in Schwierigkeiten kommen. In vielen Fällen lohnt sich auch ein Stativ, damit Aufnahmen mit langen Brennweiten besser gelingen.

Ein wichtiger Punkt bei einer Fotosafari ist der Schutz der Ausrüstung. Sonne, Sand und Feuchtigkeit sind die Faktoren, die ihr zusetzen. Die Qualität des Filmmaterials leidet in zu großer Hitze, weshalb man Kamera und Filme nicht in der Sonne liegen lassen und volle Filme möglichst bald entwickeln sollte. In besonders sandigen oder staubigen Regionen kann zusätzlicher Schutz der Kamera in einem Plastikbeutel - verbunden mit einem Salzsäckchen gegen das Schwitzwasser - sinnvoll sein. Unterschätzen Sie nicht, mit welcher Hartnäckigkeit der Sand Etoschas oder des Krügerparks, der Namid oder der Kalahari darangeht, in die letzten Winkel Ihres Gepäcks vorzudringen.

Filmmaterial sollten Sie sich in der Regel aus Europa mitbringen. Es ist zwar an vielen Stellen (in den Städten) im südlichen Afrika zu bekommen, aber 30 bis 50 Prozent teurer als in Europa. Kalkulieren Sie die Menge großzügig, die Anzahl lohnender Motive bei einer Reise durch einem oder mehrere Nationalparks wird immer wieder unterschätzt.

Bildkomposition, Licht und Farben

Wer über eine Kamera mit Wechselobjektiven verfügt und ein Teleobjektiv dabei hat, ist für das Fotografieren in Nationalparks besonders gut gerüstet. Das Teleobjektiv ermöglicht, die Tiere besser abzulichten, die sich ja oft ein Stück weg von der Straße oder Piste, die man nicht verlassen kann oder darf, aufhalten. Hinzu kommt, daß viele Tiere die Flucht ergreifen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Unerläßlich ist ein starkes Teleobjektiv fast immer für das Fotografieren von Vögeln.

Aber auch mit einer solchen guten Ausrüstung unterliegt man der Gefahr, langweilige Fotos zu schießen. Nutzt man eine Brennweite voll aus, so kann einem manchmal ein schönes Portrait gelingen. Gerade dann besteht aber die Gefahr, daß das Besondere der Fotos, Tiere in freier Wildbahn, verlorengeht. Am Schluß steht man mit einer Reihe von Bildern da, auf denen viele Tiere gut zu sehen sind, die aber keinen "Charakter" mehr haben. Deshalb ist es auch hier immer wichtig, die Bildkomposition im Auge zu haben, also vor dem Abdrücken noch einmal den gesamten Bildausschnitt im Sucher daraufhin zu überprüfen, ob es sich um eine schöne oder interessante Zusammenstellung handelt. Manchmal lohnt sich auch zu prüfen, ob ein Bild dadurch, daß man Personen oder Autos mit ins Bild aufnimmt, lebendiger wird.

Ein anderer wichtiger Punkt ist es, besonderes Augenmerk auf das Licht und auf die Farben zu werfen. Achten Sie einmal darauf, ob die Sonne das Fell des Tieres, das Sie fotografieren wollen, zum Glänzen bringt oder ob das Auge des Vogels, den Sie gerade ablichten wollen, in der Sonne leuchtet. Sie werden sehen, daß dadurch der Gesamteindruck des Bildes wesentlich gewinnt. Farbtupfer, die das Bild auflockern, hat die Natur meist selber zur Verfügung. Schauen Sie bewußt bei der Bildkomposition nach dem Grün oder Rot von Blumen und Blüten als Bestandteil des Bildes. Von besonderer Bedeutung und bei Landschaftaufnahmen meist entscheidend ist der Himmel. Ein langweiliger, eintönig grauer oder blaßblauer Himmel kann fast jedes Bild zerstören.

Immer von Bedeutung für Licht und Farben ist die Tageszeit. Morgens und abends ist das Licht wärmer und rötlicher. In Verbindung mit kräftig brauner oder rötlicher Erde entsteht damit der Eindruck, der für viele die typisch afrikanische Stimmung ausmacht. Diese Tageszeiten sind durch die Lichtverhältnisse ideal zum Fotografieren. Davon abgesehen, ermöglichen sie natürlich auch besonders stimmungsvolle Aufnahmen beim Sonnenauf- oder untergang.

Lebendige Tierfotos

In den ersten Stunden und Tagen der Begegnung mit Tieren in freier Wildbahn geht oft die Begeisterung mit dem Fotografen durch. Jedes Tier, jedes Impala und jeder Springbok, scheint ein Foto wert. So aufregend diese ersten Momente sind, auf den Fotos sieht man nur eine Antilope, die wie ausgestopft herumsteht und in die Gegend starrt. Interessantere Fotos gelingen, wenn man sich vornimmt, auf allen Bildern ein besonderes Verhalten der Tiere darzustellen. Achten Sie also immer darauf, was das Tier gerade tut. Damit ist nicht nur das allzu seltene Glück gemeint, Löwen bei der Jagd zu beobachten und zu fotografieren. Schauen Sie genau hin, wenn Sie eine Herde Springböcke beobachten: Gibt es in der Herde junge männliche Tiere, die vielleicht im nächsten Augenblick mit gesenktem Kopf spielerisch aufeinander losgehen ? Oder gibt es Jungtiere in der Herde, die von ihren Müttern gesäugt werden? Ein wenig Vorwissen über das Verhalten der Tiere ermöglicht interessantere Schüsse.